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Urlaub und Innehalten vor dem Thailand Sprint

Pantai Cenang

geschrieben von Timo

Das große Inselarchipel Langkawi im hohen Norden Malaysias stellte sich als typisches Strandurlaubsziel heraus. Das kam uns aber ganz gelegen, da wir schonmal die nächsten Wochen und gar Monate planen wollten, da es in Malaysia sehr entspannt ist mit dem Visum, aber vor allem Thailand ein Land ist, dass eher eine backpackerfeindliche Visumspolitik betreibt. Während man in Malaysia 90 Tage bleiben kann, so muss man für Thailand entweder sehr umständlich ein Visum beantragen, oder man reist visafrei ein, aber hat dann nur 30 oder gar 15 Tage für ein Land mit vielen Highlights, das größer als Deutschland ist. Man kann es wohl nochmal 30 Tage verlängern, aber insgesamt ist es so oder so kompliziert länger in Thailand zu bleiben. Auch Laos, Kambodscha und Vietnam haben verhältnismäßig restriktive Politiken beim Visum und so überlegte ich mir schonmal grob welche Ziele ich dort ansteuern möchte. Dabei waren natürlich insbesondere die Welterbe von Interesse, aber auch die Highlights im Lonely Planet sowie vereinzelte Empfehlungen von Bekannten.  

Erschöpfung bei der Anreise. Ausruhen am Bahnhof von Butterworth
Erschöpfung bei der Anreise. Ausruhen am Bahnhof von Butterworth

Wir waren wie vermutlich die meisten Touristen am Pentai Cenang auf der Hauptinsel von Langkawi. Dieser Strand an der Westküste liegt etwa eine halbe Stunde Autofahrt von dem Anleger entfernt, an dem man mit der Fähre vom Festland ankommt. Hier wimmelt es nur so von Strandurlaubern aus allen Teilen der Welt. Es gibt die gewohnten, westlichen, jungen Leute wie uns aus Europa, aber auch viele Argentinier, einige meist ältere Nordamerikaner und vermutlich sehr viele russische Familien mit kleinen Kindern. Ich bin mir nicht sicher, ob es Russen waren, aber vieles deutete darauf hin. Ich hatte auch keine Lust nachzufragen, ob sie Russen sind, da egal wie das Gespräch verlaufen wäre ich kein Verständnis dafür gehabt hätte, dass sie hier schön mit ihren Familien im Wasser plantschen während ihr Land unschuldige Menschen eines anderen Landes jeden Tag seit über zwei Jahren in deren Land terrorisiert und abschlachtet.  

Mein Lieblingsort war einer der wenigen im Schatten am langen, schönen und sonnengetränkten Sandstrand
Mein Lieblingsort war einer der wenigen im Schatten am langen, schönen und sonnengetränkten Sandstrand

Insgesamt waren wir neun Tage hier und sind nur begrenzt rumgekommen. Franzi schlief meistens lange, so dass ich morgens meistens einen Tee trank und eine Maggi Tütensuppe aß, die man sich gut mit dem Wasserkocher in unserem Zimmer zubereiten konnte, ehe ich mit unserer Piknikdecke zum Strand ging, um dort den Lonely Planet zu lesen und die Reise weiter zu planen. So entstand über die Tage eine Karte mit vielen bunten Punkten, die wir jetzt noch in einer Route miteinander verknüpfen wollen. Alle Welterbe und einige Top Highlights wollen wir auf jeden Fall besuchen, wohingegen viele andere Ziele spannend klingen, aber ggf. gestrichen werden, wenn die Zeit nicht reicht. Den Vormittag konnte man am schönen Sandstrand noch gut aushalten, da die wenigen Bäume in den Bereichen ohne Geschäfte Schatten spendeten. Ab dem Nachmittag knallte die Sonne auf den gesamten Strand und schon alleine das Verlassen unseres klimatisierten Zimmers wurde zum Schock auf Grund der hohen Temperaturen. Wir hatten das vermutlich günstigste Zimmer unserer gesamten Reise bekommen, denn es kostete trotz Klimaanlage unter 10€ die Nacht. Es war nicht besonders schön und die Matratze war auch nicht mehr ebenerdig, aber es war in Strandnähe gelegen und außerdem direkt neben einem Nachtmarkt, auf dem es viele Essensstände bzw. Food Trucks gab und der jeden Abend ab sieben Uhr aktiv war. Nach ein paar Tagen starteten wir den Versuch der horrenden Verschwendung von Plastik auf diesem Markt entgegen zu wirken, da wirklich alles an Lebensmitteln mit Styropor, Plastikbechern, Plastikhenkeln und –deckeln für Plastikbecher, Plastikbesteck und natürlich in Plastiktüten überreicht wurde. Hier herrscht wirklich gar kein Verständnis für das Ziel der Plastikreduzierung bzw. es ist vermutlich nicht mal ein Ziel. Wir nahmen den vermeintlichen Müll mit in die Unterkunft und brachten es am nächsten Tag gewaschen wieder mit. Es gab immer mal Teilerfolge und Rückschläge. Bei dem Stand, an dem ich mir täglich einen Kokosnussshake holte, akzeptierte die Verkäuferin meinen alten, gewaschenen Becher und füllte ihn erneut mit einem Kokosnussshake, nachdem sie mir zunächst zeigte, wo der Mülleimer ist. Den anderen Plastikbecher mit den frischen Wassermelonenstücken, die Franzi sehr gerne aß, füllte sie leider nicht wieder mit frischen Melonenstücken auf, da sie schon fertige, neue Becher im Kühlschrank hatte. Da ließ sie auch nicht mit sich reden. Dass wir den alten Bechern auffüllen wollten, damit wir Plastik sparen und nicht damit die Melone frischer ist, konnten wir nicht als Message an sie heran tragen. Auch auf dem Nachtmarkt bestellte ich mir an zwei Tagen bei einem Stand mit einem großen Wok und lecker Gewürzen gebratene Nudeln mit Rindfleisch. Beim zweiten Mal gab ich den gewaschenen Plastikteller in den Stand und bat darum diesen zu verwenden, statt einem Neuen. Außerdem zeigte ich, dass ich schon Holzstäbchen zum Essen habe. Beim Abholen wurde wohl mein Teller benutzt, was super war, aber in einer raschen Bewegung lagen Plastiklöffel- und Gabel in der Soyasauce und auf meinen Hinweis hin, dass ich ja die Stäbchen zum Essen habe, wurden sie vermutlich rasch in den Müll geworfen. Bei einem weiteren Stand bestellten wir fast jeden Tag leckere Wraps. Immer fragten sie, ob wir sie mitnehmen wollen oder vor Ort essen, da es Tische und Stühle auf dem Markt gab, auf dem sich alle Touristen tummelten nach Einbruch der Dunkelheit. Wir bestellten zum vor Ort essen und bekamen stets den Wrap in Papier eingepackt in einer Plastiktüte. Jedes Mal liefen wir der jungen Frau hinterher und gaben ihr ihre Plastiktüte zurück. Man kann nur hoffen, dass sie sie erneut verwenden würde. Franzi konnte sich für einen Stand mit unzähligen Holzspießen begeistern, die in kochendes Wasser getunkt wurden. Besonders toll fand sie Brokkoli und Blumenkohl, da es Gemüse ist und das sogar ohne Fett. Das ist ansonsten ein rares Gut in Asien. Auch die Frühlingsrollen und Dumplings waren lecker, wenn sie nicht schon ausgekühlt waren. Die Hühnchen Keule am selben Stand legte je nach Abend teilweise Preissteigerungen von 200% hin- kurios. Wenn ich mittags schon Hunger hatte, ging es häufig zu einem guten wenn auch für Malaysia teuren Inder, der immer schlecht besucht war. Nebenan war ein Chinese, der morgens geöffnet war, und bei dem wir zweimal frühstückten. Wenn man den O-Saft und den Kaffee nicht ohne Zucker bestellte, kam er nahezu ungenießbar süß auf den Tisch. Es ist ein schlechtes Gefühl etwas zu trinken, das schlecht schmeckt, ungesund ist und dick macht. 

Eine Qualle direkt am Strand in der Brandung
Eine Qualle direkt am Strand in der Brandung

Zum Abkühlen war der Strand nicht gut gemacht, da das Wasser schlecht durchsichtig war und potentiell von vielen Quallen beheimatet. Es nässelte auf jeden Fall, wenn man drin war. Wir wagten uns im Strandbereich bei uns in der Nähe ein paar Meter hinein und dümpelten in der flachen Brandung, wo wir regelmäßig umgeworfen wurden. Sehr schön waren die Sonnenuntergänge im sehr touristischen Bereich des Strandes, wo es auch einen Lifeguard gab. Dieser konnte Franzi mit Essig versorgen, als doch mal ein Tentakel ihre Haut berührt hatte. Die Farben beim Sonnenuntergang waren traumhaft und die tägliche Feuershow von einigen, lokalen Jungs danach spektakulär in der Dunkelheit anzusehen. Sie wirbelten mit Stäben, auf deren Enden Brennpaste klebte um ihre Körper. Es war auch noch Ramadan. Jeden Abend hörte man den Iman bis spät in die Nacht (nach 22 Uhr) noch Gebete über die Lautsprecher in der Stadt verbreiten. Sex Appeal in der Fußgängerzone durch Badeshorts und Bikinis stand im Kontrast zu den Gläubigen, die konservativ gekleidet tagsüber nicht nur auf Essen und Trinken, sondern auch auf Sex verzichten sollen. Aber die meisten hier scheinen von den Touristen zu leben, da sie ihnen Klamotten, Essen und Aktivitäten verkaufen. 

Wir buchten auch eine Aktivität an unserem letzten Tag. Wir probierten mal Parasailing aus, was sich Franzi sehr gewünscht hatte. Für etwas über 40€ wurden wir auf ein Boot gebracht und dann mit einem Gurt an einem großen Schirm befestigt. Der Schirm war am Boot an einer Kurbel befestigt, die losgelassen wurde, sobald das Boot Gas gab. So hob man angenehm sachte ab und flog dann auf beträchtlicher Höhe über die Küste Langkawis und sah den schönen Strand von oben sowie die Inseln vor der Bucht und das grün leuchtende Wasser. Als wir nach einigen Minuten wir herabstiegen und bewusst nochmal mit den Füßen ins Wasser gedippt wurden, sahen wir vorher wie groß und wie viele Quallen es hier doch gibt. Das konnte man vom Strand aus nicht sehen. 

Mehr als nur eine Seilbahn. Franzi im Zentrum des kleinen Freizeitparks, in der Nähe der Springbrunnen, die einen etwas abkühlen konnten.
Mehr als nur eine Seilbahn. Franzi im Zentrum des kleinen Freizeitparks, in der Nähe der Springbrunnen, die einen etwas abkühlen konnten.

Dieser Ausflug war auch nicht der einzige unseres Aufenthaltes. Zuvor wollte Franzi schon einmal hoch hinaus, nachdem ich schon wieder keine Lust mehr darauf hatte. Über eine halbe Stunde lang waren wir mit einem Grab für etwa 5€ in den gebirgigen Teil der Insel gefahren. Wir hofften hier auf eine nette Seilbahnfahrt auf den höchsten Berg der Insel, aber es klappte leider nicht. Die Bahn hatte schon geschlossen, da Ramadan war. Die Mitarbeiter zeigten wenig Mitleid oder Verständnis mit unserer Enttäuschung. Wir fanden auch heraus, dass es nicht nur eine Seilbahn war, sondern im Prinzip ein großer Freizeitpark. Für mich waren sie 10€ und eine Stunde Fahrt auf der kurvigen Straße schon genug Abenteuer gewesen, aber Franzi wollte unbedingt mit der Seilbahn fahren.

So kehrten wir also am folgenden Tag wieder zurück und fuhren tatsächlich mit der Seilbahn den Berg hoch. Oben gab es dann eine normale Aussichtsplattform mit Blick über die Küste und bis zu unserem entfernten Strand. Es gab auch noch eine weitere, moderne, metallene Plattform, die weit über den Abgrund ragte und einen Adlerkopf darstellte, der auf die übergroßen Eier am Ende der Plattform schaut. Wir stellten allerdings fest, dass man für diese Attraktion noch 10€ mehr pro Person zahlen müsste und waren erstaunt, dass manche Leute dies tatsächlich taten, da wir den Mehrwert überhaupt nicht sahen. 

Es ging noch ein Stück weiter bergauf mit der Gondel auf die Spitze des Berges, von wo ein Wanderweg zu der angeblich größten, kurvigen Hängebrücke der Welt führte. Allgemein war alles in diesem Park ein Superlativ, daher wunderte es nicht, dass so lange spezifiziert wurde bis es einen Weltrekord gab. Die Brücke war in der Tat beeindruckend. Man war aber auch froh, wenn man am Ende war, da es unerträglich heiß war auf der Brücke. Das riesige Sonnensegel sorgte tatsächlich in Kombination mit der leichten Brise, die hier oben wehte, für ein angenehmes Klima. Auf der Brücke gab es einige Plexiglaseinlagen, um tief in den grünen Abgrund schauen zu können. Ich wich der dreckigen Scheibe aber vor allem aus, da man sie nicht mit Schuhen betreten sollte. Wir waren froh nicht noch das Ticket für eine steile Monorail gekauft zu haben, da die Leute Ewigkeiten Schlange standen und es auf dieser Seite der Bahn keine Toilette gab. Von der Aussichtsplattform oberhalb der Bergstation gab es dann nochmal einen Blick bis auf die ersten Thailändischen Inseln des Tarutao Meeresparks und vermutlich sogar bis auf das kleine Ko Lipe, was unser erster Halt in Thailand sein würde. Trotz der guten Sicht verschwamm das Bild am Horizont etwas. Da es viel zu heiß hier oben war und wir alles gesehen hatten, machten wir uns wieder mit der Gondel auf zur Talstation.

Dort gab es noch zwei Kinos, die eher für Kinder waren u.a. mit Bewegungseffekten und eine Kunstausstellung, die uns richtig gut gefiel. Auf Socken ging man von Raum zu Raum und konnte Wandgemälde ansehen, die nicht nur an der Wand waren, sondern bis auf den Boden reichten. Sie stellten Situationen und bekannte Orte dar meistens in krassen Farben und man konnte sich für ein Foto in das Bild hineinstellen. So entstanden Fotos wie Franzi, die fast von einem Nilpferd gefressen wird oder zusammen mit einem Panda an einem Bambushalm abhängt. Auch stand Franzi gerne im Van Gogh´schen Gemälde eines Cafés in einer sternenklaren Nacht. Franzi fotografierte besonders einen Raum mit Schwarzlicht, in dem Fische, Schwäne und Planeten miteinander vermischt an den Wänden hingen und natürlich schön strahlten. Diese nette Ausstellung war für mich ein versöhnlicher Abschluss für diesen Park, den ich ansonsten sehr touristisch und überteuert fand.  

In Erinnerung bleiben werden die schönen Sonnenuntergänge, der schöne Sand sowie die Tatsache, dass es tagsüber außerhalb des klimatisierten Zimmers einfach viel zu heiß war, so dass man quasi gelähmt war etwas zu tun außer in der Sonne zu liegen. Auf Grund der Hitze und der Quallen im Wasser eignet es sich meiner Meinung nach nicht als guter Strandurlaubsort, aber für meine Bedürfnisse war es ein guter Zwischenstopp vor unserem Thailand Trip. 

Parasailer in der Abenddämmerung am Pantai Cenang
Parasailer in der Abenddämmerung am Pantai Cenang

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